Home   

   Willkommen   

     Island     

   Fotoalben   

   Reiseberichte   

   Bergtouren   

      GPS      

    Links    

   Updates   

   19. Juni 2004 Wanderung zur Kvalvika       Lofoten Reisetagebuch


Es wird wunderbar warm. Als ich das Zelt öffne, glänzt das Gras in der Sonne und weiße Schmetterlinge flattern umher.
Blau das Meer, blau der Himmel. Sollte er doch Einzug halten, der Lofotensommer?
Radelfreier Tag! Einfach nur Wandern.

Morgens, kurz vor 10 Uhr vorm Becker (am Ortseingang von Fredvang): Die Deutsche Fraktion vom Campingplatz hat sich bereits versammelt. Um kurz drauf den halben Laden leerzukaufen. Ein Stück weiter kaufen wir im kleinen Supermarkt noch Tütenfutter, Mais, etc.

Nicht mal zum Ausgangspunkt der Wanderung wollen wir heut das Fahrrad bemühen. Durch Fredwang durch, dann entlang am Torsfjorden. Bis ein Wegweiser zur Kvalvika weist. Die Straße ist kaum befahren.
Tom hat bei seiner ersten Lofotenreise die Wanderung schon einmal als Rundtour wie sie im Reisefüher empfohlen wird gemacht. Daher weiß er auch, dass die Sache nach dem Regen der letzten Tage vermutlich eine matschige Angelegenheit, speziell um den Markvatnet herum, werden würde. Wir wollen eigentlich nur den herrlichen Sonnentag genießen und nehmen den direktesten Weg zur Kvalvika, wie er in der Turkart eingezeichnet ist.

Auf gut erkennbarem Pfad geht es zu einem gerölligen Sattel hinauf, auf der anderen Seite zügig hinunter zur » Kvalvika Bucht.
Leider von einer Wolke überschattet. Zeit für die 2. Frühstück Pause. Wir beobachten die Sache erstmal eine Weile von oben bei Semmeln mit Frischkäse und Salami. Auch die Schafe freuen sich über das Wetter. Unten auf der Wiese springen die Lämmer wie toll umher.

Bis 1938 befand sich hier, wie auch in mehreren anderen sandigen Buchten Moskenesøyas, eine kleine Siedlung. "Außenseiter" wurden die Bewohner genannt. Auch für sie führte der Weg nach "draußen" nur zu Fuß zwischen den Bergen hindurch oder übers Wasser. An der den Unbilden des Nordmeeres ausgesetzten Insel"außen"seite muss das Überleben ein harter Kampf gewesen sein.

Im Winter waren die Männer auf Lofotfischfang und die Familien derweil monatelang von der Außen- oder vielmehr der "Innenwelt" abgeschnitten, gewaltigen Winterstürmen trotzend.

War sicher kein Spaß. Auch ein Tag wie heute dürfte arbeitsreich gewesen sein. Heu für das Vieh mußte von Berghängen und anderen Buchten eingebracht werden. Auch mit Tang und Fischabfällen mußten sich die Tiere bisweilen begnügen. Bis Anfang der Fünfziger wurden die letzten umgesiedelt, bauten die Häuser ab und schleppten sie auf die Inselinnenseite hinüber. Als Außenseiter genossen sie Unabhängikeit, jetzt waren sie von den Dorfbesitzern abhängig.
Reste der Grundmauern sind noch heute auszumachen. Die einzigen Bewohner heute jedoch die » Schafe. Das Meer hat hier den hineingeworfenen Müll wieder ausgespuckt.

Der Strand ist mit Unrat übersät, Schuhe, Plastikkram, verrostete Tonnen, Treibholz und eine vielzahl merkwürdiger » Kugeln. Dass auch die großen Stämme sibirischen Treibholzes bis in die Wiesen hinein wie Mikadostäbchen liegen, läßt ahnen wie sich an anderen Tagen das Meer hereinwerfen mag. Der Süden der von steilen Bergen begrenzten Bucht ist auch heut von der Gischt der Brandung angefüllt.

Auf gleichem Wege geht es zurück. Toller Blick vom Sattel auf den » Torsfjorden und Flakstadøya. Das Meer ist tiefblau und zwischen den Inseln leuchten die noch immer stark verschneiten Berge des Festlandes.

Gegen » 22:30 Uhr ziegt es uns hinaus auf den Strand. Noch immer kaum ein Wölkchen am » Himmel. Heut klappt's, mit der Mitternachtssonne. Die Wohnmobilisten lauern auch schon und luren durch die Fenster. Eine Stunde später zieht es alle raus. » Klappstühle werden auf den Dünen installiert, man nimmt Position ein, für ein » Bad in der Mitternachtssonne. Ein wenig Geduld ist noch gefragt, beim » Warten auf die Mitternachtssonne, dank Mitteleuropäischer Sommerzeit findet das Ereignis erst um » 1 Uhr Nachts statt. Erstaunlich weit steht die Sonne dann noch über dem Horizont. Das nächtliche Licht taucht die Inseln in wunderbar intensive Farben und der blaßblaue Himmel leuchtet weit und klar.

Der Fotograph im Nachbarzelt brutzelt derweil ungerührt sein Schnitzel in der Pfanne. Hat die Mitternachtssonne wohl schon im Kasten.
    « Übersicht nächster Tag »    

© www.ourfootprints.de