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   12. Juni 2004 Svolvær - Storvågan | 20.79 km       Lofoten Reisetagebuch

Troll


Werden zäh munter. Der Himmel ist stark bewölkt. Nach dem Frühstück radeln wir nach Svolvær zurück. Auf dem Streckenabschnitt ist sehr viel Verkehr, glücklicherweise gibt es einen separaten Radweg. Svolvær ist mit 4150 Einwohnern quasi die Lofotenhauptstadt. Hektik bricht deshalb nicht aus.
Uns fällt zwar nach unseren 3 Archipel-Tage noch lange nicht der Himmel auf den Kopf, aber wenn schon mal da, streifen wir ausführlich durch die großen Supermärkte die sich alle am gleichen Platz befinden, durch die Shopping Mall gegenüber, einen Outdoorladen, und im Rathaus würden wir sehr gern das Hauptwerk es Künstlers Gunnar Berg: Die "Trollfjordschlacht" in 7 Teilen. Doch heute ist Samstag und das Rathaus leider schon geschlossen. Stattdessen statten wir der Galerie eines weiteren Lofotenkünstlers einen kurzen Besuch ab: Dagfin Bakke.

In der Vestfjordgata Ecke Kirkegata, nahe am Torget, dem Marktplatz der aktuell eine Baustelle ist, befindet sich der Buchladen.
Hier bekommt man eine große Auswahl an Büchern über die Lofoten und das komplette Sortiment an Lofotenkarten. Begrüßt wird man von einem netten Troll mit Kullerbauch.
Ein japanischer Tourist möchte wissen was der Troll kostet. Da muß die Chefin gerufen werden.

Im » Nordnorsk Kunstnersentrum kaufen wir ein paar sehr schöne Kunstpostkarten, sehen jedoch die Ausstellung nicht an. Ungerührt der kühlen Temperatur sitzten viele Menschen draußen vor den Cafés auf den Holzstegen am Hafen. Wir sehen einen furchtbar hübschen Hund und denken ob es vielleicht ein echter Lundehund sein könnte. Nach einem Blick auf eine Zeichnung im Buch glauben wir das nun eher nicht mehr.

Wir wollen weiter, denn es wartet noch ein umfangreiches Museumsprogramm auf uns. Nutzen vorher noch die Infrastruktur um mit der Postbank Sparcard vorsorglich nochmal Bargeld zu holen (beim Torget 2 Banken mit Automaten), füllen die Mägen mit Burgern und Pommes, packen einige Lebensmittelvorräte auf's Rad und dann geht es zurück, nach Storvågan. Jetzt regnet es.
Svolvær-Troll
Bei der Ankunft an den Museen geht ein gewitterartiger Schauer herab. Sind ein Stück zu weit gefahren, können so aber die Räder geschützt unter die Treppe eines Hotels stellen.
In der Gallerie Espolin kaufen wir für 130 NOK pP das Multi-Ticket zu den 3 Museen am Platze. Espolin Johnson gibt auf den gut Hundert ausgestellten Werken das Leben der nordnorwegischen Küstenbewohnern und der Lofotfischer auf seine Weise wieder. Der Besuch ist sehr lohnenswert, die Bilder besitzen eine große Ausstrahlung, auch wenn teilweise düster, bedrohlich. Schwarz ist die dominierende Farbe.

Storvågan spielte 1000 Jahre lang eine Zentrale Rolle in Nordnorwegen. Hier entstand die erste Stadt: Vógar. Die Spuren von Besiedelung gehen bis in die Steinzeit zurück. Das Lofotmuseum stellt anschaulich die Kultur im 19 Jahrhundert dar, auf dem » Hof eines Fischdorfbesitzers. Sehr interessant auch die Ausstellung über den Lofot-Fischfang und der Blick in ein » traditionelles Rorbuer wie es die Lofotfischer Ende des 18. und Mitte des 19. Jahrhunderts vorfanden.
Lototfischer               Nordlandboot

Nordlandboote mit 1000jähriger Tradition - mit offenen Booten, den Wikingerschiffen ähnlich und teils fast Nußschalen, ruderten die Fischer von Januar bis April aufs Meer, hauptsächlich um Kabeljau zu fangen.
Ein Knochenjob und gefahrvoll dazu. Am 11. Februar 1849 schlägt plötzlich das Wetter um. 500 Männer kehren nicht mehr von der See zurück. Eine unvorstellbare Tragödie für all die Familien welche immer angstvoll und diesmal vergebens auf die Heimkehr ihrer Männer, Väter, Söhne, Brüder oder Freunde warteten. Noch heute sollen die Fischer trotz aller Technik nicht allein rausfahren.

Heute sind Rorbuer, die roten Holzhäuschen, oft bestens ausgestattete Unterkünfte für Reisende. Die ersten Rorbuer, die König Øystein Anfang des 12. Jahrhunderst errichten lies, dürften weit weniger komfortabel gewesen sein. Mitte des 19 Jahrhunderts sahen die Hütten, mindestens mit einem Bein im Wasser stehend, denn flaches Land bzw. falcher Fels ist rar und wird für die Trockengestelle benötigt, folgendermaßen aus: Im Vorraum konnten die Gerätschaften, die Vorratskisten etc. abgestellt werden. Im Wohnraum wurde gearbeitet, gekocht, gegessen und geschlafen. Bis zu 12 Männer lebten auf 20 qm zusammen, teilten sich zu zweit eine Bettkoje. Ein besserer Schutz als unter den offenen Boote zu schlafen aber dennoch. Mit diesen Unterkünften sollte auswärtigen Fischern der Job schmackhafter gemacht werden. Und Abhängikeit wurde geschaffen. Die Fischer waren verpflichtet ihrem Vermieter, dem Fischdorfbesitzer, ihren gesamten Fang zu verkaufen, welcher selbstverständlich dann auch den Preis festlegte.
Das Dritte im Bunde ist das ebenfalls sehenswerte Lofotakvariet. Hier kann man vielen rund um die Lofoten vorkommenden Meerestieren in die Augen schaun. Besonders nett ist die Fischotter-Fütterung. Lautstark schmatzen sie eine Fischpampe in sich hinein und in jedem scheint ein kleiner Clown versteckt. Leider wird heute keiner der Diavorträge mehr gezeigt.

Nun kommt auch die Sonne wieder durch, radeln zurück zum Zelt. Gegen Neun rund rum blauer Himmel. Über der Wikingerhöhe kreisen die dicken Möven von der Mövenmole. Vielleicht haben die Angler ja einen guten Fang gemacht.
Sandvika Campingplatz
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