Home   

   Willkommen   

     Island     

   Fotoalben   

   Reiseberichte   

   Bergtouren   

      GPS      

    Links    

   Updates   

   10. Juni 2004 Fähre Melbu (Vesterålen) -> Fiskebøl (Lofoten, Austvågøya) -> Raftøra (Hinnøya, Raftsund) | 44.87 km       Lofoten Reisetagebuch


8:00 Uhr: das Aufstehen fällt uns heute nicht schwer. Die Schlafcouch war nicht wirklich gemütlich. Frühstückstechnisch erweist es sich jedoch wieder als Vorteil in einem Supermarkt zu wohnen. Es gibt ultraleckeren Joghurt mit Ecke (Vanille mit Knuspermüsli). Wunderbar dazu passt ein halber Liter Schokomilch. Ausreichend Energie für einen gemütlichen Radltag.
Wir satteln auf und füllen an der Tankstelle die Benzinflasche des Kochers. Am Hafen angelangt läuft gerade die Fähre ein. Die Überfahrt ist kurz, dauert ca. 25 Minuten. Die Luft ist glasklar, es stellt sich ein herrlicher Frühsommertag heraus. Wir steuern auf die Bergwelt Austvågøyas zu. Das Meer ist völlig ruhig. Eine Meute Möven zeigt einen Fischschwarm an. Wie unser Reisebuchautoren geraten wir in Verzückung, auch wenn wir diese jetzt hier nicht mit ähnlich überschwenglichen Worten ausdrücken wollen :-)

Austvågøya

In Fiskebøl angekommen lassen wir den Fahrzeugen einen kleinen Vorsprung und radeln dann los. Es ist pure Freude bei dem herrlichen Wetter durch diese skandinavische Bilderbuchlandschaft zu strampeln. Am Sløverfjorden angelangt, folgen wir nicht dem Lofoten-Highway E10, stattdessen dem Wegweiser nach Digermulen. Direkt hinein in den 3340 m langen » Sløverfjordtunnelen. Die Lofoten sollen bis etwa 2015 an das Festlandstraßennetz angeschlossen werden. Bis zum Raftsund reichen die bisherigen Baubemühungen. Wie die Straße ist der Tunnel neu, gut ausgebaut und beleuchtet. Tief gräbt er sich unter dem Sløverfjorden durch. Eine 2 km lange Abfahrt durch die finstere Röhre. Es ist allerdings schweinekalt hier drin. Es folgt auf dem letzten Kilometer dann vermutlich der anstrengendste Anstieg der Lofoten. Auf der linken Steite befindet sich eine Art Gehsteig. Ich schiebe schnaufend hinauf und klappere dennoch vor Kälte. Eine Wohltat wieder ans Licht und die Sonne zu kommen. Und die Aussicht über den » Hadselfjorden ist phantastisch. Wir müssen das 2. Frühstück einlegen.
Der » Møysalen, mit 1262 m höchsten Berg der Lofoten / Vesterålen, verbirgt seinen Gipfel jedoch in Wolken.

Lofotenradeln
Auf der Straße liegen viele Muschelteilchen. Offenbar lassen sie die Möven die Muscheln auf den harten Asphalt fallen um sie zu knacken.
Der 2. Tunnel auf dem Weg zum Raftsund ist nur 500 Meter lang, der 3. etwa 2000 Meter aber weniger steil als der erste.
Anschnallen nicht vergessen!

Auf der Fahrt zum Raftsund könnten wir locker noch ein 3. und 4. und 5. Frühstück einwerfen, so viele schöne Blicke bieten sich. Ein kleiner Hügel mit Birken oben drauf sieht furchtbar einladend aus. Dann wieder lädt eine » Wollgraswiese zum Fotografieren ein.

Es geht ein Stück bergab. Tom läßt es natürlich rollen. Ich, der Geschwindigkeitsfreak, bremse verhalten. Als Tom den tiefsten Punkt vor dem folgenden Anstieg erreicht, kommt aus einem Feldweg von links ein Elch angalloppiert. Eigentlich hätte Tom ihn bemerken müssen, war aber gerade damit beschäftigt auf dem Tacho die Höchstgeschwindigkeit abzulesen. Ich entscheide mich für eine Vollbremsung. Die Viecher sehen schon im Tierpark riesig aus, und ohne Zaun drumrum ... Auch der Elch verharrt. Auge in Auge. Er entscheidet sich mir aus dem Weg zu gehen und springt durch Birkengebüsch über einen Hang davon.
Ein Beweisfoto gibt es nicht, zu perplex der erschrockene Radler. Tom glaubt's erst nicht und ärgert sich dann, dass er den Elch verpasst hat. Ich beschließe mir einen Elchaufkleber für meine Radtaschen zu besorgen.

Im Reiseführer hatte ich gelesen dass die Elche tatsächlich vom Festland zu den Inseln herüberschwimmen, also eine Elchbegegnung auf den Lofoten durchaus nicht abwegig ist. Im » Hadselfjorden beobachten wir einen Delphin wie er einen Purzelbaum nach dem anderen schlägt. Er ist offenbar in einen leckeren Fischschwarm geraten.

Die Raftsundbrua schwingt sich weit über die lange schmale Meerenge. Hier endet die Ausbaustrecke. Eine kleine Straße führt nun am Ostufer nach Süden bis Digermulen und Holand. Ab Tengelfjorden ist sie nicht mehr asphaltiert. Inzwischen spüren wir die intensive Sonnenstrahlung. Ich bin froh über den schützenden Helm. Hinnøya ist die größte Insel Norwegens. Die Grenze zwischen Vesterålen und Lofoten verläuft längs mittendurch.

Auf der neuen Vesterålen Turkort ist bei Raftøra ein Campingplatz eingezeichnet. Eigentlich ist es noch früh am Nachmittag. Doch der Platz gefällt uns sehr gut. Außerdem ist es uns jetzt schon fast zuviel mit der Sonne (man kann's nicht recht machen ...) und einen weiteren offiziellen Campingplatz gibt es nicht. Vor einem großen Gebäude befindet sich eine große flache Wiese. Wir lassen uns erstmal auf einer Grillbank nieder und kochen Nudeln. Am Wasser stehen einige kleine rote Holzhäuschen. Auf einem Steg versuchen ein paar Angler ihr Glück. Am Strand hüpfen Austernfischer. Haben sie die vielen Seeigel geknackt deren Schalen überall herumliegen? Der Sund ist hier an seiner schmalsten Stelle, wenige hundert Meter breit. Es bilden sich Strudel als die Gezeiten sich hindurchzwengen. Eine Kajakgruppe legt an. Dann kommt der tägliche südgehende Hurtigruten-Dampfer vorbei.
Der Kanadische Kajakleiter klärt uns auf wie's funktioniert: In dem grünen Briefkasten auf der Wiese liegt neben Briefumschlägen und Formularen zum Entrichten der Übernachtungsgebühr von 60 NOK ein Schlüssel. Der Zugang zu den Toilletten und einer Dusche im Haus. Heißes Wasser und alles neu und in Top-Zustand, sogar belüftet. Neues Lebensgefühl nach einem Test besagter Einrichtungen.

Als die Sonne am Abend in ihrer Intensität nachläßt, machen wir noch einen kleinen Ausflug ein Stück weiter nach Süden auf Höhe des Trollfjords bei » Tennstrand. Denn wer weiß wie das Wetter morgen sein mag.

Man fragt sich automatisch ob die Bewohner der gepflegten » Häuser wohl auch im Winter hier leben.
Dieser Abend jedenfalls ist ein Traum.   Da könnte man die Menschen die hier leben beneiden.

    « Übersicht nächster Tag »    

© www.ourfootprints.de