Home   

   Willkommen   

     Island     

   Fotoalben   

   Reiseberichte   

   Bergtouren   

      GPS      

    Links    

   Updates   

   08. Juni 2004 Flug -> Bodø | Hurtigrute -> Stokmarknes (Vesterålen)       Lofoten Reisetagebuch

Gestern bereits die Fahrrad-Kartons und Gepäckstücke bei Martin ins Auto geladen. Um 6 Uhr morgens geht's zum Flughafen. Tom hat im Auto keinen Platz mehr und muss mit der U-Bahn vorausfahren. München will uns den Abschied wohl ein bisserl schwer machen: nach langen Schlechtwetter kündigt sich nun ein strahlender Tag an. Die Berge, für Juni ungewöhnlich weiß gekleidet, rücken nahe an die Autobahn.

Es herrscht morgendliche Ruhe am Flughafen. Wir können sofort einchecken. Erst das normale Gepäck. Die Fahrräder werden noch mit einem Teststreifen untersucht, dann können wir die Kartons verschließen. Klebeband und Schere bekommen wir freundlicherweise gestellt. Plötzlich bildet sich vor den Schaltern eine lange Schlange. Die Passagiere schieben ungewöhnliches Gepäck vor sich her: lange Röhren und große Kühlboxen. Hilfe, die Angler kommen!

Nach einem kleinen Frühstück macht auch der Ticketschalter auf, wo wir noch die Fahrräder bezahlen müssen. 4 Radler, ein Urbayer (in Tracht) und Angler werden mit dem Bus zum Flieger gebracht. Allein 6 Mann von Sanitär Heinze (rote Käppis). Betriebsausflug nach Norwegen?    Toll !

Deutschland Norwegen
Beim Abflug haben sich die Alpen schon im Dunst verzogen. Deutschland ein Flickerlteppich, Nord-Ostsee-Kanal und Eckernförder Bucht ziehen unter uns hinweg. Wir werfen einen Blick auf das dänische Sønderborg, wo Tom ein Praktikum gemacht hat. Dann freuen wir uns über eine gute Sicht auf das Norwegische Fjell. Glattgeschliffene Kuppen, auf dem nackten Fels leuchten gelbgrüngraue Flechten. Später werden die Berge schroffer, die Küste zerfranst in weitverzweigte Fjorde und in den Bergseen schwimmen Eisberge. Unerwartet steil schraubt sich der Flieger in den Landeanflug hinab bevor wir auf norwegischem Boden aufsetzen. Die Angler klatschen.
Es ist 12 Uhr Mittags, 3 Stunden dauerte der Flug. Das Gepäck ist wohlbehalten und vollständig angekommen. Wir bauen die Räder zusammen und laden auf. Die Prozedur hatten wir zuvor schon mal geprobt, es geht fix. Die Radlkartons dürfen wir glücklicherweise einfach in einer Ecke stehen lassen. Füllen direkt am Fughafenautomaten die Reisekasse noch mit 3000 Norwegischen Kronen Startkapital, und radeln auf direktem Weg zum Hurtigruten-Kai (3 km), wo bereits die » Richard With liegt.

Benannt nach dem Mann der den Frachtverkehr speziell in Nordnorwegen revolutionierte indem er 1881 die Vesterålen Dampfschiffahrtsgesellschaft gründete. Seit 1936 befahren die Post-Schiffe sommers wie winters täglich nord- und südgehend die norwegische Küste. Die 11tägige Reise "Bergen - Kirkenes - Bergen" wird heute als "Schönste Seereise der Welt" beworben. Nichts desdo trotz wird neben dem Kreuzfahrgeschäft auf diesem Weg nach wie vor Fracht, vielleicht sogar auch noch Post transportiert, sowie ganz normaler Auto- und Personen-Fährverkehr.
So kommen auch wir zu der Ehre für 10 Stunden an dieser berühmten Reise teilhaben zu dürfen. Die Tickets kauft man an Bord, erfahren wir. Es hätte nicht so pressiert, Ablegen ist erst um 15 Uhr. So rollen wir die Räder zunächst durch die Ladeluke in das Autodeck hinunter. Im Treppenhaus übersehen wir offenbar die Tür zur Rezeption und steigen etwa 2 Stockwerke zu hoch, landen zuerst bei der Kombüse, und verirren uns dann auf einem der Kabinendecks. Letztendlich reisen wir aber nicht als blinde Passagiere, finden einen hochoffiziellen Treppengang der uns direkt zur Rezeption führt.

Das Wetter ist erstmal besser als erwartet: weiße fluffige Wolken, drumrum blauer Himmel. So finden viele Sonnenstrahlen auf das Deck der Richard With, was die frischen Temperaturen grad so erträglich macht. So genießen wir für einen Weile das Panorama der Norwegische Küste bei Kreuzfahrt-Flair (den Altersdurchschnitt können wir allerdings kaum senken). Stück für Stück entfernen wir uns von dieser auf dem Weg über den Vestfjord hinüber zu den Lofoten, die in einem Bogen von Nordost nach Südwest in das Nordmeer zeigen.
Der Blick voraus jedoch entmutigend. Nicht die berühmte "Lofotwand" die sich von der Ferne besehen aus den schroffen Einzelbergen zusammenfügt. Wir sehen eine Wand aus tiefschwarzen Wolken und Regen durch die im Ansatz noch die Inseln erkennbar sind. Auf der Suche nach Nahrung erstehen wir eine Wurst, 2 Becher Pommes und 2 Pepsi Cola, macht 126.- Kronen (= ca. 15 Euro), willkommen in Norwegen. Ok, da ist noch Kreuzfahrer-Aufschlag drauf.
An Deck wird es dann bald recht ungemütlich kalt und zugig. Wir beschäftigen uns eine Weile mit Deckrunden-Mitstoppen. Ein beliebter Nachmittagssport auf Deck 5.
Die Lofoten, Inseln des Lichts. Als wir uns Vestvågøya nähern machen die Inseln dem Beinamen alle Ehre. Durch die tiefdunklen Regenwolken brechen immer wieder Sonnenstrahlen, beleuchten einzelne Bergflanken. Nach einem kurzen Stop in Stamsund geht die Reise nordwärts. Wir umschiffen Hennigsvær und glauben gleich müsse » die Welt untergehen. Bibberkalt ist es an Deck doch immerwieder locken uns lichte Momente hinaus. Und hinterher versuchen wir dann wieder einen Sessel auf Deck 7 zu ergattern. In Svolvær eine Stunde Aufenthalt zum Beinevertreten. Trotz später Stunde sind Souveniershops und der Buchladen geöffnet. Tom kauft eine Mütze. Nochmal ein toller Blick auf die » markanten Berge am Festland, dann biegen wir in den Raftsund ein. Das Highlight ist die Fahrt in den Trollfjord. Überraschend taucht die schmale Einfahrt auf, das
» Schiff schiebt sich an schwarzen, glatten Granitwänden vorbei.
MS Finnmarken
Trollsockensuppe Es ist 23:30 Uhr und es ist hell, aber der Himmel grau in grau. Die Rettung: auf Deck 7 wird heiße "Trollfjord-Suuupe" ausgeschenkt während die Richard With in dem kleinen Fjord auf der Stelle wendet. Dann freuen wir uns über 2 gepolsterte Plätze im Warmen auf Deck 7, denn langsam verschwinden die Kreuzfahrer in ihren Kabinen.
Oh, das wäre uns jetzt auch recht.
Regen klatscht gegen die Panoramafenster und wir sind einfach nur noch müde.
Hilft nichts, Regenklamotten an und runter ins Autodeck. Um 1:30 legen wir in Stokmarknes auf Hadseløya an, bereits den Vesterålen zugehörig. Nur wenige rollen schlaftrunken von der Rampe. Ein schweizer Pärchen, mit Auto, will auch zum nächsten Campingplatz. Doch weder die Infotafel noch die Einheimischen Abholer können sachdienliche Hinweise geben.
Trollfjord-Suppe    -    Wird aus Trollsocken gekocht. Haben wir gehört.

So versucht jeder auf eigene Faust sein Glück. Gut ist, dass es grad kaum noch tröpfelt. Man folgt der Straße nach links, am Wasser dann ein Hinweisschild: Camping 200 m rechts. Super! Nach geschätzten mindestens (nächtliche Einschätzung) 400 Metern ist er tatsächlich nach rechts ausgewiesen. Ein Stück bergan ein weiteres Schild: Camping 800 Meter ... Wir holpern mit notdürftig aufgepumpten Reifen durch die Pampa. Die Schweizer haben schon ihr Zelt stehen, wir ziehen schnell nach, danken im Stillen den hellen skandinavischen Nächten und dann nix wie in den Schlafsack!

    « Übersicht nächster Tag »    

© www.ourfootprints.de